Stellen Sie sich vor, Sie müssen einen 2,5 Kilometer langen Kanal durch einen matschigen Waldweg verlegen, während der Boden unter den Baggern nachgibt. Genau vor dieser gewaltigen Herausforderung stand das Team der Mader Bau GmbH im bayerischen Regen.
Hohe Überdeckungen von bis zu fünf Metern und wasserhaltige Böden machten den Einsatz herkömmlicher Methoden nahezu unmöglich. Die Lösung für dieses logistische Rätsel lag jedoch nicht in schwerem Beton, sondern in einem hochflexiblen Kunststoffsystem.
Die Geheimwaffe gegen schwierigen Untergrund
Die Verantwortlichen entschieden sich bewusst gegen Betonrohre, da das Gewicht und die schlechte Erreichbarkeit am Waldrand ein zu großes Risiko darstellten. Stattdessen setzten sie auf HS-Kanalrohre aus PVC-U, die durch ein überraschendes Feature überzeugten.
Dank variabler Baulängen von 0,5 bis 5,0 Metern konnte die Bauleitung auf jede Veränderung der Grabenbeschaffenheit sofort reagieren. Während bei geringer Tiefe lange Rohre für schnellen Fortschritt sorgten, ermöglichten kürzere Segmente das Arbeiten in engen Verbausituationen.
Bauleiter Andreas Flock betont die Vorteile der flexiblen Baulängen: „Dort, wo die Überdeckung nicht so groß war, haben wir gerne auf die fünf Meter langen Rohre zurückgegriffen. So konnten wir auch ordentlich Meter machen.“
Warum die Ringsteifigkeit hier alles entscheidend war
In Tiefen von bis zu fünf Metern lastet ein enormer Erddruck auf den Leitungen, dem nicht jedes Material gewachsen ist. Die Stadt Regen forderte daher eine besonders hohe Belastbarkeit für den neuen Schmutzwasserkanal.
Mit einer Ringsteifigkeit von 12 kN/m² boten die gewählten Rohre genau die Sicherheit, die für die stellenweise extremen Überdeckungen nötig war. Selbst unter schweren Lastwagen der Klasse SLW 60 bleibt das System laut Experten stabil und formgetreu.
Wie die Allgemeine Bauzeitung berichtet, war diese Widerstandsfähigkeit das ausschlaggebende Argument für die Materialwahl. Besonders im Bereich der Bundesstraßen-Auffahrt mussten die Rohre ihre volle Stärke unter Beweis stellen.
Smarte Technik gegen eindringende Wurzeln
Ein Kanal im Wald hat einen natürlichen Feind, der oft unterschätzt wird: aggressive Baumwurzeln, die nach Feuchtigkeit suchen. Um teure Sanierungen in der Zukunft zu vermeiden, wurde ein System mit fest eingelegten Zwei-Komponenten-Dichtungen gewählt.
Diese Dichtungen sind verschiebesicher und garantieren eine dauerhafte Wurzelfestigkeit, was in der sensiblen Bachlage unverzichtbar ist. Ein spezieller innenliegender Absturz half zudem dabei, einen Höhenunterschied von zwei Metern zum bestehenden Betonschacht elegant zu überbrücken.
Nach sieben Monaten intensiver Arbeit im Schlamm konnte das Projekt im Oktober 2024 erfolgreich abgeschlossen werden. Für die beteiligten Handwerker war es der Beweis, dass moderne Kunststoffe im Tiefbau längst die Nase vorn haben.
Zusammenfassung
- 2,5 km langer Schmutzwasserkanal unter extremen Bodenbedingungen in Bayern verlegt
- HS-Kanalrohre punkten durch flexible Längen (0,5m bis 5,0m) und hohe Ringsteifigkeit (SN 12)
- Spezielle Dichtungstechnik verhindert Wurzeleinwuchs in Waldnähe
Häufige Fragen
Welche Vorteile bieten flexible Baulängen bei Kanalrohren?
Flexible Baulängen ermöglichen eine optimale Anpassung an den Grabenverbau und die Geländestruktur. Während lange Rohre den Baufortschritt beschleunigen, erleichtern kurze Segmente das Arbeiten in großen Tiefen oder bei beengten Platzverhältnissen.
Warum ist die Ringsteifigkeit SN 12 im Tiefbau wichtig?
Eine Ringsteifigkeit von SN 12 (12 kN/m²) gewährleistet, dass Rohre auch bei hohen Überdeckungen von bis zu 6 Metern und schweren Verkehrslasten stabil bleiben, ohne sich zu verformen.
Quelle: Quellen: Allgemeine Bauzeitung (ABZ), Funke Kunststoffe, Stadt Regen Tiefbauamt.

