Der Traum vom eigenen Garten und den eigenen vier Wänden in der Stadt rückt für die meisten Deutschen in unerreichbare Ferne. Experten von Deutsche Bank Research warnen nun davor, dass der klassische Neubau von Eigenheimen in den Metropolen vor dem endgültigen Aus stehen könnte.
Die Kombination aus explodierenden Grundstückspreisen und massiv gestiegenen Baukosten macht das Bauen für den Mittelstand nahezu unbezahlbar. Besonders in den Ballungszentren zeigt sich ein drastischer Abwärtstrend, der weitreichende Folgen für die gesamte Immobilienlandschaft hat.
Dramatischer Einbruch der Baugenehmigungen
Ein Blick auf die nackten Zahlen offenbart das ganze Ausmaß der Krise in den deutschen Großstädten. In Hamburg sank der Anteil der Baugenehmigungen für Eigenheime zwischen 2003 und 2023 von stolzen 39 auf nur noch 9 Prozent.
Noch extremer fällt die Entwicklung in Berlin aus, wo die Quote von ehemals 62 Prozent auf unter 5 Prozent einbrach. Setzt sich dieser Trend ungebremst fort, wird laut der Studie bis zum Jahr 2050 kein einziges neues Eigenheim mehr in diesen Städten errichtet.
In den vergangenen zwei Jahren wurden deutschlandweit bereits weniger als 100.000 neue Ein- und Zweifamilienhäuser pro Jahr fertiggestellt. Diese Entwicklung markiert eine Zäsur für die Wohnkultur in Deutschland, da das Angebot dem Bedarf kaum noch hinterherkommt.
Mikro-Appartements verdrängen das klassische Haus
Anstelle von großzügigen Grundstücken setzen Planer und Investoren nun verstärkt auf hochverdichtete Wohnformen wie Mikro-Appartements. Dieser Trend ist nicht nur eine Reaktion auf den Platzmangel, sondern auch auf die verschärften energetischen Anforderungen unserer Zeit.
Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gelten als deutlich effizienter und verbrauchen im Betrieb oft nur die Hälfte der Heizenergie eines freistehenden Hauses. Die ökologische Bilanz spricht somit immer häufiger gegen das traditionelle Einfamilienhaus im städtischen Raum.
Zudem zwingt die akute Wohnungsknappheit die Kommunen dazu, jeden verfügbaren Quadratmeter für möglichst viele Wohneinheiten zu nutzen. Das klassische Eigenheim wird in diesem Umfeld zum Luxusgut, das sich nur noch eine sehr kleine Elite leisten kann.
Preisexplosion bei Bestandsimmobilien erwartet
Da der Neubau stagniert, konzentriert sich die hohe Nachfrage nach Eigenheimen zwangsläufig auf den bereits vorhandenen Bestand. Die Studienautoren rechnen damit, dass die Preise für bestehende Einfamilienhäuser aufgrund der künstlichen Verknappung weiter massiv ansteigen werden.
Wer bereits eine Immobilie besitzt, darf sich zwar über eine Wertsteigerung freuen, doch für junge Familien wird der Einstieg nahezu unmöglich. Das Eigenheim bleibt zwar die begehrteste Wohnform, wird aber zunehmend aus dem Stadtbild der Metropolen verschwinden.
Die Zukunft des Wohnens in der Stadt wird also kompakter, effizienter und für viele Menschen unfreiwillig bescheidener ausfallen müssen. Es bleibt abzuwarten, ob politische Maßnahmen diesen Trend noch einmal umkehren können oder ob das Ende des Eigenheims bereits besiegelt ist.
Zusammenfassung
- Neubau von Eigenheimen in Metropolen könnte bis 2050 zum Stillstand kommen
- Baugenehmigungen in Berlin und Hamburg sind massiv eingebrochen
- Hohe Grundstückskosten und Energieeffizienz fördern Trend zu Mikro-Appartements
Häufige Fragen
Warum werden kaum noch neue Eigenheime in Städten gebaut?
Hauptgründe sind die exorbitant gestiegenen Grundstücks- und Baukosten sowie die staatliche Förderung von verdichtetem Wohnraum zur Bekämpfung der Wohnungsknappheit.
Werden bestehende Einfamilienhäuser jetzt teurer?
Ja, Experten erwarten eine deutliche Preissteigerung im Bestand, da die Nachfrage hoch bleibt, während das Angebot durch den fehlenden Neubau stagniert.
Quelle: Wie die Studie von Deutsche Bank Research belegt, sinkt der Anteil privater Hausbauten rapide.

