In Kirchheim unter Teck geschieht derzeit etwas, das die deutsche Baubranche in dieser Form noch nicht gesehen hat. Bei der Erweiterung der Stadtwerke-Zentrale kommt eine Konstruktionsweise zum Einsatz, die den modernen Holzbau auf ein neues Level hebt.
Das 5 Millionen Euro teure Projekt setzt erstmals in Deutschland auf eine punktgestützte Brettsperrholzdecke ohne störende Unterzüge. Diese technische Premiere ermöglicht eine architektonische Freiheit, von der Planer bisher oft nur träumen konnten.
Ein Meilenstein für den modernen Holz-Hybrid-Bau
Der zuständige Spezialist für Befestigungstechnik, Rothoblaas, liefert für diesen Anbau die entscheidenden Komponenten. Durch den Einsatz spezieller Verbindungssysteme können enorme Lasten von bis zu 5000 kN vertikal durch das Gebäude geleitet werden.
Das Unternehmen Holzbau Layh realisiert den 888 Quadratmeter großen Anbau in einer anspruchsvollen Holz-Beton-Hybrid-Bauweise. Die Kombination aus nachwachsenden Rohstoffen und modernster Statik wird dabei maßgeblich durch die Holzbauinitiative Baden-Württemberg gefördert.
Besonders im Erdgeschoss zeigt sich der Vorteil der neuen Skelettbauweise durch maximale Flexibilität der Innenräume. Mobile Trennwände erlauben es den Stadtwerken, das Foyer und die Verwaltungsflächen jederzeit an neue Anforderungen anzupassen.
Die Technik hinter der unsichtbaren Tragkraft
Möglich wird dieser unterzugfreie Bau durch das innovative System „Rothoblaas Spider“, das wie ein spinnennetzartiger Anschluss funktioniert. Diese Durchstanzbewehrung verbindet die Brettsperrholzdecken direkt mit den Stützen und schafft so glatte Deckenuntersichten.
Zusätzlich kommt das Fügesystem „TC Fusion“ zum Einsatz, um die einzelnen Deckenelemente statisch belastbar miteinander zu verknüpfen. In der Vorfertigung wurden dafür bereits hunderte Gewindestangen tief in die massiven Holzplatten eingeschraubt.
Auf der Baustelle werden diese Stangen dann mit Bewehrungskörben verbunden und die Fugen mit Ortbeton vergossen. Nach dem Aushärten entsteht eine extrem steife Verbindung, die Biegemomente und Querkräfte sicher zwischen den Bauteilen überträgt.
Zeitplan und zukunftsorientierte Nutzung
Die Fertigstellung des ambitionierten Projekts ist bereits für das erste Quartal dieses Jahres geplant. Neben dem Neubau wird auch der bestehende Verwaltungssitz auf einer Fläche von 474 Quadratmetern umfassend modernisiert.
Nach dem Einzug wird das neue Gebäude das zentrale Kundencenter sowie weite Teile der Verwaltung beherbergen. Die Stadtwerke setzen damit ein deutliches Zeichen für nachhaltiges Bauen und technische Innovation in der Region.
Zusammenfassung
- Erster Einsatz einer punktgestützten Brettsperrholzdecke in Deutschland.
- 5 Millionen Euro Investitionsvolumen für den Hybrid-Anbau der Stadtwerke.
- Einsatz innovativer Verbindungssysteme ermöglicht unterzugfreie Skelettbauweise.
Häufige Fragen
Was ist das Besondere an der punktgestützten Brettsperrholzdecke?
Diese Konstruktionsweise erlaubt den Bau mehrgeschossiger Holzgebäude ohne störende Unterzüge, was maximale Flexibilität bei der Raumaufteilung und eine moderne Optik ermöglicht.
Welche Vorteile bietet die Holz-Beton-Hybrid-Bauweise?
Die Hybrid-Bauweise kombiniert die Nachhaltigkeit und das geringe Gewicht von Holz mit der Tragfähigkeit und dem Schallschutz von Beton, was besonders bei Verwaltungsbauten effizient ist.

