Wer aktuell an die Zapfsäule fährt, erlebt oft eine böse Überraschung beim Blick auf die Preistafel. Trotz staatlicher Eingriffe und neuer Regeln scheinen vor allem die Mineralölkonzerne von der aktuellen Situation zu profitieren.
Zusatzgewinne statt Entlastung für Autofahrer
Die Einführung der sogenannten 12-Uhr-Regel sollte eigentlich für mehr Preistransparenz und Stabilität an deutschen Tankstellen sorgen. Experten des ZEW Mannheim und des DICE kommen jedoch zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Regelung den Konzernen zusätzliche Margen verschafft hat.
Bei Superbenzin stieg die Gewinnspanne in den ersten zwei Wochen nach der Einführung im Schnitt um sechs Cent pro Liter an. Die Unternehmen nutzen die eingeschränkte Flexibilität offenbar, um deutliche Risikoaufschläge auf die Preise zu schlagen.
Besonders drastisch zeigt sich dieser Effekt pünktlich zur Mittagszeit an den Anzeigetafeln der Stationen. Laut ADAC erhöhen viele Tankstellen ihre Preise um 12 Uhr im Schnitt um rund 15 Cent pro Liter.
Massive Verstöße gegen die neue Preisbindung
Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Disziplin einiger Tankstellenbetreiber bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben dar. Datenanalysen zeigen, dass es seit April bereits zehntausende mutmaßlich illegale Preiserhöhungen außerhalb des erlaubten Zeitfensters gab.
Allein in einer einzigen Woche wurden bundesweit über 2.000 Verstöße registriert, wobei ein Schwerpunkt im Großraum München lag. Den betroffenen Betreibern drohen nun empfindliche Bußgelder von bis zu 100.000 Euro durch die zuständigen Behörden.
Das Bundeskartellamt überwacht die Preisbewegungen zwar lückenlos, sieht sich bei der Verfolgung jedoch mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Bisher haben erst wenige Bundesländer die konkret zuständigen Stellen für die Sanktionierung dieser Verstöße benannt.
Wie effektiv ist der staatliche Tankrabatt wirklich?
Neben der Zeitregelung soll der seit Mai geltende Tankrabatt von knapp 17 Cent pro Liter die Haushaltskassen der Bürger entlasten. Die Monopolkommission stellt fest, dass dieser Rabatt zwar größtenteils weitergegeben wird, aber erst mit deutlicher Verzögerung ankam.
Kritiker bemängeln zudem, dass die Kraftstoffpreise in Deutschland schon vor der Senkung systematisch höher lagen als in Nachbarländern. Dies deutet auf tiefgreifende Wettbewerbsprobleme im Großhandel hin, die durch Steuergelder lediglich kaschiert werden.
Das ifo Institut schätzt, dass von der Entlastung tatsächlich nur etwa 14 bis 15 Cent bei den Endverbrauchern ankommen. Der Rest versickert offenbar in der Wertschöpfungskette der Mineralölindustrie, anstatt die Pendler direkt zu unterstützen.
Zukunft des Rabatts und politische Diskussionen
Obwohl die Maßnahmen offiziell befristet sind, fordern erste Politiker bereits eine Verlängerung über den Juni hinaus. Besonders in ländlichen Regionen wie Sachsen-Anhalt wird der Druck auf die Politik immer größer, das Tanken bezahlbar zu halten.
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich bisher eher verhalten und bezeichnete die Wirkung des Rabatts als lediglich leidlich funktionierend. Die hohen Kosten für den Staatshaushalt von geschätzten 1,6 Milliarden Euro befeuern die Debatte um die Sinnhaftigkeit zusätzlich.
Experten der Monopolkommission raten hingegen von einer Fortführung ab, da die soziale Entlastungswirkung zu ungleich verteilt sei. Eine endgültige Evaluierung der 12-Uhr-Regel ist erst nach einem Jahr geplant, wenn ausreichend Langzeitdaten vorliegen.
Zusammenfassung
- Die 12-Uhr-Regel führte zu höheren Gewinnmargen für Mineralölkonzerne statt zu sinkenden Preisen.
- Zehntausende mutmaßliche Verstöße gegen die Preisbindung wurden bereits registriert.
- Der Tankrabatt kommt nur unvollständig und verzögert bei den Verbrauchern an.
Häufige Fragen
Was besagt die 12-Uhr-Regel an Tankstellen?
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen in Deutschland ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr anheben. Preissenkungen sind hingegen jederzeit möglich, um den Wettbewerb zu fördern.
Warum sinken die Spritpreise trotz Tankrabatt nicht stärker?
Laut Experten geben Konzerne den Rabatt nicht vollständig weiter. Zudem nutzen Unternehmen die 12-Uhr-Regel für Risikoaufschläge, was die staatliche Entlastung teilweise wieder zunichtemacht.
Quelle: Wie die ZEIT zuerst berichtete, zeigen Studien des ZEW Mannheim und des DICE eine Erhöhung der Gewinnmargen durch die neue Regelung.

