Strom, der zu 100 Prozent aus Wind und Solar kommt, galt bisher als hehrer Wunschtraum ohne echte Erfolgsgarantie. Doch die Technologien der globalen Energiewende entwickeln sich derzeit in einem überraschend rasanten Tempo.
Die Revolution der Speichersysteme
Was macht man eigentlich, wenn keine Sonne scheint und gleichzeitig kein Wind über das Land weht? Diese Frage galt lange als die bittere Pille, die selbst überzeugte Anhänger der erneuerbaren Energien schlucken mussten.
Mittlerweile werden in der Fachwelt jedoch immer mehr Zweifel an diesem alten Grundsatz der Unzuverlässigkeit laut. Neben Windkraftanlagen und Solarparks hat sich eine dritte Technologie entwickelt, die alles grundlegend verändern könnte.
Großspeicherprojekte sind heute in der Lage, überschüssigen Strom in gewaltigen Mengen für flautenflecke Zeiten zwischenzuspeichern. Experten gehen davon aus, dass Langzeitspeicher schon sehr bald die Marktreife erreichen und das System stabilisieren werden.
Gigantische Projekte weltweit im Bau
In Abu Dhabi entsteht derzeit ein Solarfeld, das ab dem Jahr 2027 eine kontinuierliche Leistung von einem Gigawatt liefern soll. Diese beeindruckende Kapazität entspricht in etwa der Leistung eines herkömmlichen, großen Atomkraftwerks.
Auch in Australien wird massiv investiert, um bis 2028 ein völlig geschlossenes Stromsystem aus erneuerbaren Quellen zu errichten. In der Region Pilbara sollen dort vor allem Eisenerzminen mit sauberer Energie versorgt werden.
In Indien und den USA führen moderne Speichertechnologien bereits heute dazu, dass Gaskraftwerke seltener einspringen müssen. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass fossile Brennstoffe ihren ökonomischen Vorsprung gegenüber den Erneuerbaren endgültig verlieren.
Herausforderungen für den Standort Deutschland
Deutschland steht vor einer schwierigeren Aufgabe als sonnenreiche Wüstenstaaten oder windreiche nordische Küstenländer. Die Bundesrepublik gehört zu einer Gruppe von Ländern mit hoher Bevölkerungsdichte und einer sehr energieintensiven Industriebasis.
Laut dem aktuellen Report der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) ist hier die regionale Vernetzung der Stromnetze entscheidend. Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Wetterzonen lassen sich lokale Versorgungsengpässe effizient und kostengünstig ausgleichen.
Zusätzlich bietet die sogenannte Überbauung an einzelnen Standorten eine Lösung für die gefürchtete Dunkelflaute. Dabei werden Solar- und Windkapazitäten deutlich stärker ausgebaut, als es die eigentliche Nachfrage im Durchschnitt verlangen würde.
Der neue Wettbewerb der Nationen
Francesco La Camera, Generaldirektor von Irena, sieht die Weltgemeinschaft an einem entscheidenden wirtschaftlichen Kipppunkt angekommen. Er betont, dass es heute keinen echten Wettbewerb mehr zwischen fossilen und erneuerbaren Energieträgern gebe.
Der neue globale Wettlauf konzentriert sich stattdessen darauf, wer den Umstieg auf die Erneuerbaren am schnellsten bewältigt. In Ländern wie Brasilien oder China liefern Hybridsysteme bereits heute in 95 Prozent der Zeit reinen Ökostrom.
Reservekraftwerke werden dort nur noch für die verbleibenden fünf Prozent der Zeit als Sicherheit benötigt. Die ökonomischen Rahmenbedingungen haben sich zugunsten der Batterierevolution verschoben und beschleunigen den weltweiten Wandel.
Zusammenfassung
- Großspeicher machen 100% Ökostrom rund um die Uhr möglich
- Abu Dhabi und Australien bauen Solarparks mit Atomkraft-Leistung
- Deutschland muss auf Netzausbau und Überbauung setzen
Häufige Fragen
Was passiert bei einer Dunkelflaute im erneuerbaren Stromsystem?
Durch moderne Großspeicher und die sogenannte Überbauung von Standorten kann überschüssige Energie gespeichert und bei Flaute genutzt werden, sodass fossile Kraftwerke kaum noch einspringen müssen.
Welche Länder erreichen 100 Prozent erneuerbaren Strom?
Länder wie Norwegen und Dänemark sind Vorreiter in Europa, während Großprojekte in Abu Dhabi und Australien bald eine kontinuierliche Versorgung aus Solar- und Windkraft sicherstellen.
Quelle: Wie Francesco La Camera, Generaldirektor der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena), gegenüber der Financial Times erklärte, ist ein Kipppunkt in der globalen Energieversorgung erreicht.

