Nach einer quälend langen Durststrecke kehrt die Zuversicht auf die deutschen Baustellen zurück. Experten prognostizieren für die kommenden Jahre erstmals wieder ein echtes Wachstum der Branchenumsätze.
Die Talsohle ist offiziell durchschritten
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) blickt optimistisch auf die Jahre 2025 und 2026. Während das reale Plus im nächsten Jahr noch bei schmalen 0,6 Prozent liegt, soll es 2026 bereits auf 2,5 Prozent klettern.
Wolfgang Schubert-Raab, der Präsident des ZDB, sieht darin ein deutliches Signal für das Ende des jahrelangen Abwärtstrends. Über die Hälfte der 1.500 befragten Betriebe bewertet die aktuelle Geschäftslage mittlerweile wieder als gut oder befriedigend.
Die Branche blickt dabei auf einen massiven realen Einbruch von 17 Prozent zwischen 2021 und 2024 zurück. Nun stabilisieren sich die Auftragseingänge jedoch spürbar und geben den Unternehmen eine neue Perspektive.
Wohnungsbau sendet erste Lebenszeichen
Besonders im Wohnungsbau regt sich nach drei Jahren des Stillstands wieder zaghafte Aktivität. Investoren beginnen damit, auf Eis gelegte Projekte aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen wieder anzuschieben.
Trotz dieser Erholung fehlen laut Verbandsangaben jährlich immer noch mehr als 100.000 nötige Baugenehmigungen. Die geplante EH-55-Plus-Förderung soll ab Mitte Dezember helfen, den bestehenden Bauüberhang schneller abzuarbeiten.
Der Umsatz im Wohnungsbau wird 2026 voraussichtlich auf rund 56,3 Milliarden Euro ansteigen. Das entspricht einem nominalen Zuwachs von etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Infrastruktur als Motor der Wirtschaft
Massive Impulse kommen derzeit vor allem aus dem Tiefbau und den staatlichen Investitionsprogrammen. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) pumpt Milliarden in die Schienenwege und Versorgungsnetze.
Allein die Bahn erhält in den kommenden zwei Jahren jeweils rund 22 Milliarden Euro für die Sanierung. Dies führt im Wirtschaftstiefbau zu einer starken Nachfrage, die den gesamten Sektor stützt.
Im öffentlichen Bau zeigt sich ein gemischtes Bild, da viele Kommunen trotz Bundesmitteln unter finanziellem Druck stehen. Der Brückenbau profitiert hingegen deutlich von neuen Zuweisungen und sorgt für volle Auftragsbücher.
Forderungen nach weniger Bürokratie
Damit der Aufschwung nicht im Keim erstickt wird, fordert das Baugewerbe konsequente politische Reformen. Niedrigere Steuern und sinkende Energiepreise sind aus Sicht der Experten essenziell für dauerhaftes Wachstum.
Besonders die Entschlackung der Bürokratie steht ganz oben auf der Wunschliste der Handwerksbetriebe. Die rechtliche Sicherheit für neue Standards wie den „Gebäudetyp E“ müsse sofort geschaffen werden.
Nur wenn die Politik jetzt die Bremsen löst, kann die Bauwirtschaft ihre volle Kraft entfalten. Die Beschäftigung in den Betrieben hängt unmittelbar davon ab, ob tatsächlich Bagger rollen.
Zusammenfassung
- Umsatzprognose steigt 2026 auf real 2,5 Prozent
- Wohnungsbau erholt sich langsam dank neuer Förderprogramme
- Milliarden-Investitionen in Schiene und Infrastruktur treiben den Tiefbau
Häufige Fragen
Wie entwickelt sich der Wohnungsbau 2026?
Für 2026 wird im Wohnungsbau ein nominales Umsatzplus von etwa 5 Prozent auf 56,3 Milliarden Euro erwartet, wobei die Fertigstellungszahlen aufgrund früherer Genehmigungsrückgänge erst ab 2027 wieder deutlich steigen dürften.
Was stützt die Baukonjunktur aktuell am stärksten?
Der Tiefbau und die Infrastrukturinvestitionen sind die stärksten Treiber, insbesondere durch das Sondervermögen für Schiene und Klimaneutralität mit Investitionen von rund 22 Milliarden Euro jährlich.
Quelle: Wie ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab bei der Vorstellung der Baukonjunkturzahlen erklärte: „Die Bauwirtschaft hat die Talsohle durchschritten.“

