Der Schock nach dem Boom
Wer derzeit über eine Baustelle in Deutschland läuft, sieht immer seltener die charakteristischen roten oder blauen Rohre einer Fußbodenheizung im Estrich verschwinden. Lange Zeit galt die Flächenheizung als der Goldstandard für modernes Wohnen, doch nun melden führende Verbände einen dramatischen Einbruch der Absatzzahlen.
Nach zehn Jahren ununterbrochenen Wachstums ist der Markt im Jahr 2023 um mehr als 20 Prozent eingebrochen, was die Branche in tiefe Sorge versetzt. Insgesamt wurden nur noch etwa 214,5 Millionen laufende Meter Rohr verlegt, während die Neubautätigkeit im Wohnungs- und Gewerbebau massiv ins Stocken geraten ist.
Politische Debatten verunsichern Hausbesitzer
Die Ursache für diesen plötzlichen Abwärtstrend liegt laut Experten nicht etwa an mangelndem Interesse der Kunden, sondern an der anhaltenden politischen Unsicherheit. Besonders die hitzigen Diskussionen rund um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) haben bei vielen Verbrauchern in Deutschland zu einer abwartenden Haltung geführt.
Viele geplante Bauvorhaben wurden kurzfristig storniert oder notwendige Sanierungen in Bestandsgebäuden erst einmal auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Bevor das Gesetz im September 2023 endgültig verabschiedet wurde, herrschte am Markt eine regelrechte Schockstarre aufgrund der unklaren Faktenlage.
Experten fordern radikales Umdenken
Ulrich Stahl, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF), sieht die Politik nun in der Pflicht, die Baukonjunktur schnellstmöglich wiederzubeleben. Er fordert einen umfangreichen Abbau von Bürokratie und deutlich einfachere Genehmigungsverfahren für Bauherren und Investoren.
Nur durch gezielte Fördermaßnahmen könne man den Privatsektor wieder dazu animieren, die dringend benötigten Investitionen in neuen Wohnraum zu tätigen. Ohne diese Schritte drohe die Schere zwischen dem tatsächlichen Bedarf an Wohnungen und den realisierten Projekten immer weiter auseinanderzugehen.
Die unterschätzte Rolle der Wärmeübergabe
Oftmals konzentriert sich die öffentliche Förderung fast ausschließlich auf den Wärmeerzeuger, wie etwa die Wärmepumpe, und vernachlässigt dabei das gesamte System. Ralf Kiryk vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) betont jedoch, dass effiziente Flächensysteme ein entscheidender Hebel für die Energiewende sind.
Gerade in Kombination mit einer Wärmepumpe spielen Fußbodenheizungen ihre Stärken voll aus, da sie mit sehr geringen Systemtemperaturen betrieben werden können. Dennoch scheuen viele Sanierer den Aufwand, da die aktuelle Förderlandschaft oft als zu kompliziert und wenig transparent wahrgenommen wird.
Ein Hebel für die finanzielle Ersparnis
Sascha Allissat vom BDH kritisiert, dass Flächenheizungen oft nur über reduzierte Fördersätze für sogenannte Umfeldmaßnahmen finanziell unterstützt werden. Eine ganzheitliche Betrachtung des Heizsystems wäre jedoch notwendig, um den maximalen Effekt bei der CO2-Reduktion und der Kostenersparnis zu erzielen.
Wer heute in eine moderne Flächenkühlung oder -heizung investiert, profitiert langfristig nicht nur von einem höheren Wohnkomfort, sondern auch von deutlich niedrigeren Betriebskosten. Die Industrie steht mit den nötigen Ressourcen bereit, wartet aber händeringend auf verlässliche Signale aus der Politik, um den Abwärtstrend zu stoppen.
Zusammenfassung
- Absatz von Flächenheizungen bricht 2023 um über 20 Prozent ein
- Verunsicherung durch GEG-Debatte stoppt Sanierungen und Neubauten
- Verbände fordern Bürokratieabbau und bessere Förderung für Gesamtsysteme
Häufige Fragen
Warum geht der Absatz von Flächenheizungen zurück?
Der Rückgang von über 20 Prozent im Jahr 2023 liegt vor allem an der geringeren Neubautätigkeit und der Verunsicherung durch die politische Debatte um das Gebäudeenergiegesetz (GEG).
Lohnt sich eine Flächenheizung trotz der Krise?
Ja, besonders in Kombination mit einer Wärmepumpe ist eine Flächenheizung aufgrund der niedrigen Vorlauftemperaturen energetisch und finanziell sehr effizient.
Quelle: Wie der Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) und der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in ihren Marktzahlen für 2023 berichten, wurden lediglich 214,5 Millionen Meter Rohr verlegt.

