Während Deutschland beim schnellen Internet international noch immer hinterherhinkt, könnte ein kleines Projekt in Bayern nun den entscheidenden Durchbruch für die gesamte Branche bringen. In Abensberg wird derzeit ein Verfahren getestet, das bürokratische Hürden einfach beiseite räumt und Bagger deutlich früher rollen lässt.
Der sogenannte „Abensberger Weg“ markiert einen Wendepunkt in der Zusammenarbeit zwischen Telekommunikationsunternehmen und Kommunen. Durch radikal digitalisierte Genehmigungsprozesse und schlankere Abstimmungen konnte der Baustart in der bayerischen Stadt bereits um zwei volle Monate vorgezogen werden.
Rund 6.300 Haushalte und Betriebe sollen hier künftig von Bandbreiten bis zu 1 Gigabit pro Sekunde profitieren. Das Ziel ist ein schnellerer, ressourcenschonender Ausbau, der die Belastung für Straßen und Grundstücke auf ein Minimum reduziert.
Bürokratie als größte Bremse für Highspeed-Internet
In Deutschland liegt die Glasfaser-Quote laut aktuellen Daten mit knapp unter 60 Prozent noch deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Länder wie Spanien oder Frankreich erreichen bereits Quoten von über 90 Prozent, da dort weniger Hürden im Tiefbau bestehen.
Experten warnen seit Langem, dass die hohen Kosten und langwierigen Antragsverfahren den Fortschritt massiv behindern. Allein die Kosten für den Tiefbau sind in den vergangenen fünf Jahren um etwa 40 Prozent in die Höhe geschossen.
Digitale Infrastruktur als überlebenswichtiger Standortfaktor
Für Unternehmen ist eine stabile Leitung längst kein Luxus mehr, sondern eine absolute Notwendigkeit für die tägliche Arbeit. Schätzungen zufolge ziehen fast 80 Prozent der Firmen ohne schnellen Anschluss sogar einen Standortwechsel in Betracht, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Besonders Cloud-Dienste und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz treiben den Hunger nach Datenvolumen massiv voran. Kupferleitungen stoßen hierbei zunehmend an ihre physikalischen Grenzen und können die geforderte Stabilität oft nicht mehr garantieren.
Warum viele Hausbesitzer noch immer zögern
Obwohl die Glasfaser oft schon direkt vor dem Haus liegt, wird die letzte Meile bis in die Wohnung häufig nicht fertiggestellt. Die sogenannte Take-up-Rate liegt in Deutschland derzeit bei nur etwa 27 Prozent, da viele Nutzer noch auf alte DSL-Verträge vertrauen.
Doch der Druck wächst, da die Anzahl internetfähiger Geräte pro Haushalt stetig steigt und die alte Infrastruktur bald überlastet sein könnte. In Abensberg zeigt sich jedoch ein positiver Trend: Dort liegt die Vermarktungsquote bereits bei beachtlichen 30 Prozent.
Die Zukunft des Netzausbaus in Deutschland
Die Bundesregierung plant, durch eine Novelle des Telekommunikationsgesetzes den Ausbau bundesweit spürbar zu beschleunigen. Bis Ende 2025 sollen knapp 50 Prozent der Haushalte Zugang zu echten Glasfaseranschlüssen bis ins Gebäude haben.
Erfolge wie in Bayern dienen dabei als Blaupause für künftige Projekte in anderen Bundesländern. Nur durch eine engere operative Zusammenarbeit zwischen Baufirmen und Kommunen lässt sich das Ziel eines flächendeckenden Netzes bis 2030 erreichen.
Zusammenfassung
- Beschleunigter Ausbau durch digitalisierte Genehmigungsverfahren
- Glasfaser-Anschlüsse mit bis zu 1 Gbit/s für 6.300 Einheiten
- Tiefbaukosten stiegen in fünf Jahren um rund 40 Prozent
Häufige Fragen
Was ist der Abensberger Weg beim Glasfaserausbau?
Der Abensberger Weg ist ein Pilotprojekt der Telekom, bei dem Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse mit der Kommune digitalisiert und verschlankt werden, um den Glasfaserausbau deutlich zu beschleunigen.
Warum dauert der Glasfaserausbau in Deutschland so lange?
Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungsverfahren und ein massiver Anstieg der Tiefbaukosten um circa 40 Prozent in den letzten fünf Jahren bremsen den flächendeckenden Ausbau in Deutschland.
Quelle: In Abensberg wird ein beschleunigtes Vorgehen erprobt, wie die Deutsche Telekom berichtet.

