Der Plan für die neue Strom-Abgabe
Die Bundesregierung hat einen weitreichenden Beschluss gefasst, der die Stromrechnung fast jedes deutschen Haushalts direkt beeinflussen wird. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche brachte ein Gesetz auf den Weg, das den Bau zahlreicher neuer Gaskraftwerke vorsieht.
Diese Anlagen sollen als Sicherheitsnetz dienen, wenn Wind und Sonne nicht genügend Energie liefern können. Um den Bau für Investoren attraktiv zu machen, wird ein sogenannter Kapazitätsmarkt eingeführt.
Das bedeutet konkret, dass Betreiber bereits Geld dafür erhalten, dass sie ihre Kraftwerke betriebsbereit halten. Die Kosten für diese ständige Bereitschaft sollen über eine neue Umlage direkt an die Verbraucher weitergegeben werden.
Was die Experten für die Haushalte prognostizieren
Obwohl die Bundesregierung noch keine exakten Zahlen nennt, warnen Wirtschaftsvertreter bereits vor spürbaren Belastungen. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer schätzt den jährlichen Förderbedarf auf rund fünf Milliarden Euro.
Für den Endverbraucher könnte dies eine Erhöhung des Strompreises um bis zu zwei Cent pro Kilowattstunde bedeuten. Die genaue rechtliche Ausgestaltung dieser neuen Abgabe soll bis zum Jahr 2027 in einem separaten Gesetz festgeschrieben werden.
Kritiker wie die Betreiber von Batteriespeichern fühlen sich durch die neuen Regeln massiv benachteiligt. Sie bemängeln insbesondere die Vorgabe, dass Anlagen mindestens zehn Stunden ununterbrochen Strom liefern müssen.
Warum der Bau im Süden und Westen forciert wird
Die neuen Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von zwölf Gigawatt sollen gezielt in Regionen entstehen, in denen bald große Kohlemeiler vom Netz gehen. Vor allem im Süden und Westen Deutschlands klafft durch den Atomausstieg eine Versorgungslücke, die nun geschlossen werden muss.
Durch die Platzierung direkt an den großen Verbrauchszentren will die Regierung teure Noteingriffe in das Stromnetz vermeiden. Diese sogenannten Redispatch-Maßnahmen kosten die Steuerzahler schon heute Unsummen an Geld.
Bis zum Jahr 2031 müssen die ersten dieser modernen Anlagen einsatzbereit sein, um die Versorgungssicherheit zu garantieren. Langfristig ist geplant, diese Kraftwerke ab 2045 vollständig auf den Betrieb mit klimaneutralem Wasserstoff umzustellen.
Wissenschaftler warnen vor einer drohenden Stromlücke
Aktuelle Studien untermauern die Dringlichkeit des Vorhabens und bezeichnen die geplanten Kapazitäten als das absolute Minimum. Ohne diese neuen Reservekraftwerke drohe Deutschland bis zum Jahr 2038 eine massive Unterversorgung mit elektrischer Energie.
Gleichzeitig fordern Experten jedoch einen noch schnelleren Ausbau von Speichern und flexiblen Verbrauchern. Nur so könne verhindert werden, dass alte Kohlekraftwerke länger als geplant am Netz bleiben müssen.
Das Bundeskartellamt beobachtet die Entwicklungen derweil mit großer Skepsis und warnt vor einer zu starken Marktmacht einzelner Großkonzerne. Die Behörde fordert Obergrenzen bei den Ausschreibungen, um den Wettbewerb auf dem Strommarkt dauerhaft zu sichern.
Zusammenfassung
- Bundesregierung beschließt Bau neuer Gaskraftwerke mit 12 GW Leistung
- Finanzierung erfolgt über eine neue Strom-Umlage für Verbraucher
- Experten schätzen Mehrkosten von bis zu zwei Cent pro Kilowattstunde
Häufige Fragen
Warum wird eine neue Strom-Umlage eingeführt?
Die Umlage soll den Bau und die Bereitstellung neuer Gaskraftwerke finanzieren, die als Reserve bei Dunkelflauten dienen, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichen.
Wie hoch wird die neue Strom-Umlage sein?
Schätzungen der DIHK zufolge könnte die Umlage bei etwa zwei Cent pro Kilowattstunde liegen, was bei einem jährlichen Bedarf von 5 Milliarden Euro liegt.

