Der Winter hinterlässt oft unsichtbare Wunden an deutschen Eigenheimen, die erst bei genauerem Hinsehen zum Vorschein kommen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert laut Experten dauerhafte Schäden an der Bausubstanz und horrende Reparaturkosten.
Verschleierte Gefahren unter den Dachziegeln
Der erste Weg beim großen Frühjahrs-Check sollte Hausbesitzer direkt unter das Dach führen, um den Zustand der Dämmung zu prüfen. Hier zeigt sich schnell, ob Schädlinge den Winter im Warmen verbracht haben oder ob die Unterdeckbahn noch lückenlos intakt ist.
Besonders kritisch ist die Suche nach feuchten Stellen oder gar Schimmelbildung an den Holzbalken und Dämmstoffen. Karl-Heinz Schneider vom Verband Privater Bauherren (VPB) betont, dass man Klinkerfassaden auf Risse und Putzfassaden auf abgeplatzte Stellen kontrollieren sollte.
Ein besonderes Augenmerk verdient dabei der Sockelbereich des Hauses, da dieser durch Schnee und Eis extremen Belastungen ausgesetzt war. Während oberflächliche Risse oft in Eigenregie ausgebessert werden können, erfordern tiefere Schäden zwingend den Einsatz von erfahrenen Fachkräften.
Die unterschätzte Falle am Balkonanschluss
Nicht nur das Dach, sondern auch die Übergänge am Balkon können nach der Frostperiode zu einer echten Schwachstelle werden. „Vor allem sollte man prüfen, ob der Anschluss an die Wand noch intakt ist“, erklärt Schneider im Hinblick auf die Materialermüdung.
Bei älteren Kunststoff-Abdichtungen verflüchtigen sich mit der Zeit die Weichmacher, wodurch das Material spröde wird und die Haftung verliert. Wenn an diesen Stellen Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindringt, sind kostspielige Bauschäden meist die unvermeidbare Folge für den Eigentümer.
Für die Begutachtung der Dachpfannen von außen empfiehlt sich heute moderne Technik wie hochauflösende Kameras oder sogar Flugdrohnen. Wie das Portal Echo Online berichtet, lassen sich durch den Vergleich mit Vorjahresaufnahmen selbst kleinste Verschiebungen der Ziegel frühzeitig erkennen.
Professionelle Hilfe bei Steildächern suchen
Sobald Undichtigkeiten am Dach oder an den Dämmmaterialien entdeckt werden, ist schnelles Handeln gefragt, um die Bausubstanz zu schützen. Dennoch warnt der VPB davor, die Reparatur an stark geneigten Flächen oder Flachdächern ohne entsprechende Sicherung selbst durchzuführen.
Andrea Blömer vom VPB weist darauf hin, dass die Dokumentation der Schäden auch für die langfristige Sanierungsplanung des Gebäudes extrem hilfreich ist. Nur wer die Schwachstellen seines Hauses kennt, kann gezielt investieren und den Wert der Immobilie dauerhaft erhalten.
Zusammenfassung
- Dachboden auf Schimmel, Feuchtigkeit und Schädlinge prüfen
- Fassadencheck: Besonders den Sockelbereich auf Frostschäden untersuchen
- Balkon-Abdichtungen kontrollieren, da spröde Kunststoffe Wasser durchlassen
Häufige Fragen
Warum sollte man im Frühjahr den Dachboden prüfen?
Nach dem Winter können unentdeckte Undichtigkeiten, Schimmel durch Kondenswasser oder Schädlingsbefall die Dämmung und Holzkonstruktion schädigen.
Was tun bei Rissen in der Fassade?
Oberflächliche Risse im Putz können oft selbst verspachtelt werden, bei tiefen Rissen in Klinker oder Putz sollte ein Fachmann die Statik und Abdichtung prüfen.
Quelle: Verband Privater Bauherren (VPB), dpa-tmn, Echo Online

