Stellen Sie sich vor, Deutschland könnte fast ein Drittel seines Solar-Ziels allein auf Mehrfamilienhäusern erreichen, doch das Gesetz steht im Weg. Experten des Dachdeckerhandwerks schlagen nun Alarm, da wertvolle Dachflächen ungenutzt bleiben.
Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) fordert ein Ende der bürokratischen Fesseln für den PV-Ausbau. Ohne eine radikale Vereinfachung der Mieterstrommodelle wird die Energiewende laut Verband massiv ausgebremst.
Gigantisches Potenzial auf deutschen Mehrfamilienhäusern
Eine aktuelle Analyse des Projekts Ariadne belegt, dass auf diesen Dächern bis zu 60,4 Gigawatt Leistung schlummern. Das entspricht rund 28 Prozent der gesamten Solarleistung, die bis 2030 zusätzlich benötigt wird.
Bisher konzentriert sich der Boom vor allem auf Einfamilienhäuser und große Freiflächenanlagen. Die riesigen Flächen in den Städten werden hingegen oft ignoriert, da sich die Umsetzung für Vermieter kaum rechnet.
Bürokratie-Wahnsinn stoppt Mieterstrom-Projekte
ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx betont, dass viele Vermieter ihren Mietern gern günstigen Sonnenstrom anbieten würden. Doch die steuerlichen Pflichten und technischen Hürden sind für private Eigentümer oft unüberwindbar.
Der Verband fordert deshalb eine einfache Abrechnung aus einer Hand und wirtschaftliche Anreize für die Einspeisung. Nur wenn Mieterstrom aus der Nische in die breite Masse getragen wird, sinken die Energiekosten spürbar.
Netzausbau und Smart-Meter als kritische Nadelöhre
Neben den rechtlichen Hürden warnt das Handwerk vor veralteten Infrastrukturen in Deutschland. Ohne moderne Stromnetze und die flächendeckende Einführung von Smart-Metern kann die Energiewende nicht gelingen.
Es sei paradox, dass in Zeiten hoher Energiepreise künstliche Hürden den Ausbau erneuerbarer Energien behindern. Die Politik müsse jetzt die Weichen stellen, damit die Energiewende nicht an antiken Strukturen scheitert.
Die Taskforce fordert praxisnahe Regeln
Auch die Taskforce Gebäudetechnik hat sich mit einem Positionspapier zum geplanten Gebäude-Modernisierungsgesetz (GMG) zu Wort gemeldet. Dabei stehen vor allem die Förderkulisse nach 2029 und die Verfügbarkeit von Grüngas im Fokus.
Es müsse eine ausgewogene Kombination aus energetischer Sanierung und aktiver Energieerzeugung auf dem Dach geben. Nur so lassen sich die ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung in der Praxis tatsächlich erreichen.
Zusammenfassung
- Potenzial von 60,4 Gigawatt auf Mehrfamilienhäusern bleibt weitgehend ungenutzt.
- Bürokratische Hürden und komplexe Steuerregeln schrecken Vermieter von Mieterstrom ab.
- ZVDH fordert schnellen Netzausbau und intelligente Zählertechnologien (Smart-Meter).
Häufige Fragen
Was ist Mieterstrom?
Mieterstrom ist Solarstrom, der auf dem Dach eines Wohngebäudes erzeugt und direkt an die Mieter im Haus geliefert wird, ohne das öffentliche Netz zu nutzen.
Warum wird Solar auf Mehrfamilienhäusern kaum ausgebaut?
Hohe bürokratische Hürden, komplexe steuerliche Pflichten für Vermieter und technische Anforderungen an die Messung machen viele Projekte aktuell unwirtschaftlich.
Quelle: ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx wird im Text zitiert. Daten basieren auf der Ariadne-Analyse von Fischer, A. und Henger, R. (2025): Gebäude- und Mieterstrom in Deutschland.

