StartNewsRattengift-Aus im Baumarkt: Warum dieses Verbot Sie jetzt überraschen wird

Rattengift-Aus im Baumarkt: Warum dieses Verbot Sie jetzt überraschen wird

Das vertraute Bild von Giftködern im Baumarktregal gehört bald der Vergangenheit an, denn eine neue EU-Verordnung zieht die Zügel drastisch an. Wer bisher auf chemische Hilfe gegen Nager setzte, muss sich auf radikale Änderungen im Kampf gegen die ungebetenen Gäste einstellen.

Gefährliche Wirkstoffe verschwinden aus dem Handel

Ab Sonntag dürfen klassische Rattengifte mit antikoagulanten Wirkstoffen wie Coumatetralyl nicht mehr frei an Privatpersonen verkauft werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bestätigt, dass diese Mittel aufgrund unannehmbarer Risiken für Umwelt und Tierwelt aus dem Einzelhandel verbannt werden.

Privatanwender dürfen vorhandene Bestände zwar noch bis zum 22. Oktober 2026 aufbrauchen, danach ist jedoch auch die Anwendung streng untersagt. Diese Regelung betrifft neben Rodentiziden auch andere Biozide wie bestimmte Ameisengifte oder Holzschutzmittel, die künftig nur noch nach Fachberatung abgegeben werden dürfen.

Tödliche Gefahr für die heimische Nahrungskette

Der Grund für das harte Durchgreifen der Behörden liegt in den sogenannten Sekundärvergiftungen, die das gesamte Ökosystem belasten. Da die Nager erst Tage nach der Aufnahme innerlich verbluten, werden sie zur tödlichen Falle für Greifvögel, Füchse und sogar Haustiere.

Besonders alarmierend sind Berichte aus Städten wie Berlin, wo laut Leibniz-Institut über 80 Prozent der Habichte mit Rattengift belastet waren. Auch Singvögel wie Spatzen sterben massenhaft, da sie die Giftkörner fälschlicherweise für harmlose Nahrung halten und ihre Artgenossen zur Futterquelle locken.

Experten warnen vor drohender Rattenplage

Schädlingsbekämpfer wie Volker Skor aus Essen sehen das neue Verbot kritisch und befürchten eine unkontrollierte Vermehrung der Tiere in den Städten. Ohne die Möglichkeit der privaten Bekämpfung könnten die professionellen Dienste schnell überlastet sein, da Wartezeiten bereits jetzt mehrere Wochen betragen.

Zudem wird die sogenannte befallsunabhängige Dauerbeköderung ab Juli 2026 generell verboten, was bedeutet, dass Gift nur noch bei einem akut nachgewiesenen Befall ausgelegt werden darf. Fachleute befürchten, dass dadurch präventive Maßnahmen in sensiblen Bereichen wie Kindergärten oder der Kanalisation wegfallen.

Die wirksamsten Alternativen für Haus und Garten

Um eine Plage ohne Chemie zu verhindern, raten Experten dringend dazu, den Tieren konsequent die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Speisereste dürfen niemals über die Toilette entsorgt werden, da dies Ratten direkt aus der Kanalisation in die Wohngebäude lockt.

Im Außenbereich sollten Gartenbesitzer auf geschlossene Komposter setzen und Fallobst sowie Tierfutterreste sofort entfernen. Sauberkeit und bauliche Maßnahmen wie das Verschließen von Ritzen sind laut Umweltschützern vom BUND der einzig nachhaltige Weg zur Nagerkontrolle.

Zusammenfassung

  • Verkaufsverbot für antikoagulante Rattengifte im Einzelhandel ab Sonntag.
  • Aufbrauchfrist für Privatpersonen endet am 22. Oktober 2026.
  • Strenge Regeln für Profis: Verbot von Dauerbeköderung ohne akuten Befall ab Juli 2026.

Häufige Fragen

Darf ich Rattengift noch privat kaufen?

Nein, klassische Rattengifte mit gerinnungshemmenden Wirkstoffen dürfen ab dem Stichtag nicht mehr frei im Einzelhandel oder Online-Handel an Privatpersonen verkauft werden.

Bis wann darf ich altes Rattengift noch benutzen?

Bereits gekaufte Bestände dürfen laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin noch bis zum 22. Oktober 2026 verwendet werden, danach ist der Einsatz verboten.

Quelle: Wie ein Sprecher der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gegenüber dem WDR bestätigte, liegen „unannehmbare Risiken“ bei der privaten Anwendung vor.

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