In Hamburg-Mitte zeigt ein visionäres Bauprojekt gerade, wie die Zukunft des urbanen Wohnens ohne Flächenfraß aussehen kann. Die kommunale SAGA setzt dabei auf eine Bauweise, die konventionelle Baustellen fast schon altmodisch wirken lässt.
Das Geheimnis der 658 Holzmodule
Mitten im Stadtteil Horner Geest entstehen innerhalb von nur einem Jahr insgesamt 142 neue Wohneinheiten. Das Herzstück dieser rasanten Entwicklung sind exakt 658 Holzmodule, die wie Legosteine passgenau zusammengesetzt werden.
Die Münchner LiWooD Holzmodulbau AG liefert diese Einheiten mit einem extrem hohen Vorfertigungsgrad direkt an die Baustelle. Selbst die Badezimmer sind bereits in die Module integriert, bevor der Kran sie an ihren Bestimmungsort hebt.
Dieser serielle Holzbau ermöglicht eine Geschwindigkeit, die im klassischen Mauerwerksbau völlig undenkbar wäre. Zudem bleibt die Belastung für die Nachbarschaft minimal, da der Lärm und Schmutz einer herkömmlichen Großbaustelle entfallen.
Kopfbauten als geniale Platzwunder
Besonders spannend ist der Einsatz sogenannter Kopfbauten, die eine Schlüsselrolle bei der Nachverdichtung spielen. Diese Anbauten stabilisieren die bestehenden Gebäude so stark, dass zusätzliche Aufstockungen um bis zu zwei Geschosse möglich werden.
Im Vergleich zu herkömmlichen Methoden schaffen diese Kopfbauten bis zu dreimal mehr Wohnraum auf derselben Grundfläche. Dabei bleiben die angrenzenden wertvollen Grünflächen des Quartiers unangetastet, was die Lebensqualität für alle Bewohner sichert.
Ein unsichtbarer Clou ist die Technik-Ebene zwischen dem Altbestand und der neuen Aufstockung. Ein spezieller Stahlbetonträgerrost leitet dort alle Lasten ab und verteilt die Leitungen, ohne dass eine einzige Bestandswohnung betreten werden muss.
Vom Schiffsbau zur modernen Feldfabrik
Die logistische Meisterleistung hinter dem Projekt findet teilweise in einer ehemaligen Werft in Boizenburg statt. Wo früher Spezialschiffe vom Stapel liefen, werden heute in einer mobilen Feldfabrik präzise 3D-Holzmodule für Hamburg gefertigt.
Diese Produktion erfolgt nach dem „Just-in-time“-Prinzip, was Lagerflächen überflüssig macht und den CO2-Ausstoß durch kurze Transportwege massiv senkt. Die Holzmodule erfüllen dabei höchste Standards bei Brandschutz und Energieeffizienz durch den Einsatz von modernem Brettsperrholz.
Optisch wird das Projekt durch eine edle Holzfassade abgerundet, die vom Hamburger Oberbaudirektor persönlich freigegeben wurde. Photovoltaik-Anlagen und eine extensive Dachbegrünung sorgen dafür, dass die Gebäude ökologisch auf dem neuesten Stand sind.
Zusammenfassung
- 142 neue Wohnungen entstehen in nur zwölf Monaten Bauzeit
- Einsatz von 658 vorgefertigten Holzmodulen inklusive fertiger Bäder
- Innovative Kopfbauten ermöglichen dreifache Wohnraumausbeute
Häufige Fragen
Was ist der Vorteil von Holzmodulbau bei der Nachverdichtung?
Der Holzmodulbau ermöglicht eine extrem kurze Bauzeit durch Vorfertigung, reduziert Baustellenlärm für Anwohner und erlaubt durch das geringe Gewicht des Holzes die Aufstockung bestehender Gebäude ohne statische Probleme.
Was sind Kopfbauten im Wohnungsbau?
Kopfbauten sind strategische Anbauten an bestehende Zeilenbauten, die zusätzliche Stabilität für Aufstockungen bieten und gleichzeitig neuen Wohnraum schaffen, ohne Grünflächen zu versiegeln.

