Das deutsche Dachdeckerhandwerk steuert auf ein Jahr 2026 zu, das trotz wirtschaftlicher Turbulenzen eine überraschende Stabilität verspricht. Während der klassische Wohnungsbau zuletzt schwächelte, sorgen energetische Sanierungen und politische Vorgaben für volle Auftragsbücher.
Dirk Bollwerk, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks, blickt daher vorsichtig optimistisch in die nahe Zukunft. Die Betriebe zeigen sich finanziell solide, da sinkende Materialkosten für Entlastung in der Kalkulation sorgen.
Günstigere Materialien stärken die Rendite
Besonders bei Holzprodukten und Bitumenbahnen konnten im Jahr 2024 Preisrückgänge von durchschnittlich 1,8 Prozent verzeichnet werden. Selbst bei den zuvor extrem teuren Tondachziegeln blieb die Preisentwicklung zuletzt nahezu stabil.
Dieser Trend führt dazu, dass der Materialkostenanteil am Umsatz auf knapp 35 Prozent gesunken ist. Damit gewinnen die Betriebe wertvollen Spielraum zurück, der in den Krisenjahren 2021 und 2022 verloren gegangen war.
Auch die Personalkostenanteile sind trotz steigender Tariflöhne leicht gefallen, was die Eigenkapitalbasis vieler Handwerksunternehmen stärkt. Diese finanzielle Resilienz bildet das Fundament für die kommenden Herausforderungen im Jahr 2026.
Strukturwandel auf dem Dach
Ein bemerkenswerter Wandel vollzieht sich bei der Anzahl der Marktteilnehmer, da die Zahl der Betriebe mit Angestellten das zehnte Jahr in Folge sinkt. 2024 gab es nur noch etwa 11.300 klassische Betriebe, während die Zahl der Soloselbstständigen massiv ansteigt.
Mittlerweile macht diese Gruppe rund ein Viertel der gesamten Branche aus, was den Wettbewerb grundlegend verändert. Parallel dazu sinkt die Zahl der gewerblichen Beschäftigten 2026 voraussichtlich weiter unter die Marke von 62.000 Fachkräften.
Obwohl weniger Produktivstunden zur Verfügung stehen, bleiben die Gewinne aufgrund der enormen Nachfrage auf einem hohen Niveau. Die Betriebe profitieren davon, dass sich das vorhandene Auftragsvolumen auf immer weniger Schultern verteilt.
Photovoltaik und Sanierung als Jobmotor
Die Installation von Photovoltaik-Anlagen hat sich endgültig als dauerhaftes Zusatzgeschäft etabliert, auch wenn erste Sättigungseffekte eintreten. Für das Jahr 2026 bleibt die Kombination aus Dachsanierung und PV-Montage jedoch ein zentrales Standbein der Branche.
Zusätzliche Impulse kommen von den Kommunen, die durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität über 100 Milliarden Euro investieren können. Ein Großteil dieser Mittel soll direkt in die energetische Gebäudesanierung fließen.
Das Reparatur- und Wartungsgeschäft sichert zudem mit einem Umsatzanteil von rund 30 Prozent die Grundauslastung der Handwerker. Wetterextreme und die alternde Bausubstanz in Deutschland machen diese Dienstleistungen unverzichtbar.
Herausforderung Nachwuchs und Bürokratie
Trotz der guten Auftragslage bleibt der Fachkräftemangel das Nadelöhr, da erfahrene Meister in Rente gehen und Nachwuchs nur verzögert folgt. Zwar steigen die Ausbildungszahlen seit Jahren kontinuierlich an, doch der zeitliche Versatz bleibt ein strukturelles Problem.
Die Branche fordert daher von der Politik, den angekündigten „Bau-Turbo“ durch Entschlackung der Bürokratie endlich in die Tat umzusetzen. Nur wenn Genehmigungsprozesse beschleunigt werden, kann das Potenzial im Neubau ab 2026 voll ausgeschöpft werden.
Letztlich hängt der Erfolg davon ab, wie verlässlich die Förderbedingungen auf Bundesebene für die Hausbesitzer bleiben. Das Dachdeckerhandwerk ist bereit, doch die politische Planbarkeit entscheidet über die Geschwindigkeit der Wärmewende.
Zusammenfassung
- Wirtschaftliche Lage im Dachdeckerhandwerk bleibt trotz sinkender Umsätze stabil bis gut.
- Materialkosten für Holz und Bitumen sinken, was die Rendite der Betriebe 2026 stärkt.
- Energetische Sanierung und PV-Anlagen bleiben die wichtigsten Wachstumstreiber der Branche.
Häufige Fragen
Wie entwickeln sich die Preise für Dachsanierungen 2026?
Durch sinkende Materialpreise bei Holz und Bitumen stabilisieren sich die Kosten, während die hohe Nachfrage im Sanierungsbereich die Preise auf hohem Niveau hält.
Lohnt sich die Kombination aus Dachbau und Photovoltaik noch?
Ja, die Kombination aus energetischer Sanierung und PV-Montage ist 2026 ein zentrales Standbein und wird durch staatliche Klimaziele massiv gefördert.
Quelle: Wie Dirk Bollwerk, Präsident des Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, gegenüber der Allgemeinen Bauzeitung erklärte, bleibt die Branche trotz Fachkräftemangel resilient.

